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Nachfahrin einer Züchterfamilie setzt sich für den Erhalt der Albschnecke ein

Münsingen (ddp-bwb). Was für andere der Hund oder die Katze ist, ist für Rita Goller die Schnecke. Seit Jahren beschäftigt sich die 50-Jährige mit den Weinbergschnecken der Schwäbischen Alb, den Albschnecken, die vor Jahren noch als ausgestorben galten. «Wenn ich sie streichele, dann fühlen sie sich total wohl», sagt Goller. «Das kennen die schon von mir.» Vor allem die kleinen Exemplare der Weichtiere haben es der Schnecken-Freundin angetan: «Die sind total niedlich."

Seit neun Jahren ist die 50-Jährige Albguide und zeigt Menschen die Schönheit ihrer Heimat. Für die Albschnecken als Spezialität der Schwäbischen Alb hat sie dabei eine besondere Leidenschaft entwickelt. Unermüdlich organisiert sie rund um die kleinen Kriechtiere, die es seit Jahrhunderten auf der Schwäbischen Alb gibt, Vorträge, Wanderungen und auch Kochkurse.

Diese Begeisterung für die Schnecken hat Goller wohl in die Wiege gelegt bekommen. Sie stammt aus dem Hause Knupfer, einer alte Schneckenzüchterfamilie aus dem Örtchen Weiler. «Das ist aber nur über fünf Ecken», wiegelt Goller ab, wenn sie auf ihre Wurzeln angesprochen wird. Die Knupfers schickten im 18. Jahrhundert jährlich 300 000 Schnecken über die Donau nach Wien. «Mönche verspeisten die Schnecken besonders gerne als Fleischersatz in der Fastenzeit», erzählt Goller.

Wie ihre Vorfahren züchtet auch Goller Schnecken - allerdings in viel kleinerem Rahmen. «Das was früher lief, war Raubbau», kritisiert sie. Ihr dagegen gehe es darum, die Schnecke auf der Alb selber wieder beliebter zu machen. «Warum sollen wir denn die guten Sachen, die wir haben, nach Frankreich schicken, wenn wir sie selber essen können?», fragt sie.

In ihrem kleinen Garten in Münsingen hat sie nur einige Hundert Schnecken. Insgesamt vermarktet die Schutzgemeinschaft Albschneck, der Goller angehört, rund 10 000 Schnecken jährlich. Seit dem Sammelverbot von 2004 dürfen Albschnecken nur noch aus Zuchtanlagen verkauft und nicht mehr wie früher wahllos gesammelt werden. Die Schnecken müssen dazu mindestens drei Jahre alt sein, damit sie sich vorher fortpflanzen konnten. Goller kann sich auch noch gut daran erinnern, wie sie als Kind ihr Taschengeld mit dem Sammeln der Schnecken verdiente. «Das war schon lukrativ», sagt sie.

Durch das Sammelverbot hofft jedoch auch sie, dass sich die Albschnecke wieder erholen und vermehren wird. Erste Anzeichen dafür seien schon zu sehen, sagt Goller.

In ihrem Haus sammelt Goller auch Schnecken-Accessoires, und sie stellt zusammen mit einer Freundin sogar Schnecken-Seife her. Zudem betreibt mit anderen einen historischen Schneckengarten und hat ein eigenes Schnecken-Kochbuch auf den Markt gebracht.

Bei den Gollers kommen die Albschnecken allerdings eher selten auf den Tisch. Jedoch nicht wegen Rita Gollers Liebe zu ihnen, sondern weil ihr Ehemann mit ihnen kulinarisch keine Freundschaft geschlossen hat. Die 50-Jährige kocht folglich Schnecken lieber für Nachbarn oder Bekannte - dann aber nicht in Kräuterbutter ertränkt, sondern am liebsten pur. «Da schmeckt man das ganze Aroma der Albschnecke erst richtig», sagt sie.

«Anfängern» empfiehlt Goller eine Schneckensuppe. Zu der rät auch Gastwirt Franz Kloker, wenn jemand noch nie Schnecken gegessen hat. In seinem Gasthof Hirsch in Hayingen-Indelhausen kommen schon seit Jahrzehnten Schnecken auf die Teller. Auf einer eigenen Schneckenkarte bietet Kloker ganz unterschiedliche Gerichte mit Albschnecken an, darunter auch Eigenkreationen mit Alblinsen und Saitenwürsten.

Am Ende seines Sechs-Gänge-Schnecken-Menüs präsentiert Kloker gerne «Albschnecke - mal anders»: Dabei sind die Schnecken mit einem Zuckerguss überzogen. Früher seien die Albschnecken nur bei wenigen Feinschmeckern beliebt gewesen, sagt Kloker. Inzwischen kämen aber immer mehr Gäste speziell wegen der Schnecken zu ihm. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die rund 4000 Schnecken, die Kloker immer im Herbst erhält, gerade mal bis ins Frühjahr reichen.
(ddp)

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