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Viele Menschen können Nahrung und Arztbehandlungen für ihre Tiere nicht mehr bezahlen

Frankfurt/Main (ddp-hes). Im Tierheim in Frankfurt-Fechenheim klingelt wieder das Telefon. Oft fragen die Anrufer um Rat, weil sie die Tierarztkosten oder selbst das Futter für ihre vierbeinigen Freunde nicht mehr bezahlen können. «Solche Anrufe gab´s schon immer», sagt Tierheimleiter Mark Nelz. In jüngster Zeit sei jedoch ihre Zahl merklich gestiegen. Zuerst «Hartz IV», jetzt die Wirtschaftskrise: Geht es den Besitzern finanziell immer schlechter, steht es um die Versorgung der Haustiere häufig nicht mehr zum besten.

Vor wenigen Jahren gründete sich daher auch in Frankfurt eine Tiertafel, die Futter und Medikamente sammelt und an Tierbesitzer verteilt. Nach Ansicht von Nelz wird der Bedarf an solcher Hilfe weiter zunehmen: «Ich habe überhaupt keinen Grund, anzunehmen, dass es besser wird. Ich denke vielmehr, dass sich die Lage noch verschärfen wird.» Schließlich kämen bei einer ernsthaften Erkrankung oder Verletzung Behandlungskosten von einigen hundert Euro zusammen. «Es gibt schon Tierärzte, die auch mal umsonst behandeln. Aber die können das natürlich auch nicht dauernd tun», sagt Nelz.

Der 36-Jährige leitet seit Oktober vergangenen Jahres das Frankfurter Tierheim, das mitten in einem schmucklosen Industriegebiet liegt. Eine seiner ersten Amtshandlungen war, in dem Heim eine eigene Tierarztklinik einzurichten. In den Zwingern und Käfigen in Fechenheim sind mehr als 300 Tiere untergebracht, «unsere Kapazität ist immer ausgelastet», sagt Nelz. Da muss natürlich ständig ein Hund oder eine Katze oder ein Hase geimpft oder eine verletzte Pfote neu verbunden werden. Das komme in einer eigenen Klinik mit zwei Ärztinnen billiger als eine auswärtige Behandlung. «Zumal die Zahl der Leute zugenommen hat, die bei uns ihre kranken Tiere abgeben und für die wir die Tierarztkosten übernehmen müssen», erklärt Nelz.

Aus diesem Grund betreffe der soziale Abstieg vieler Menschen durch «Hartz IV» und die Wirtschaftskrise auch den Tierschutzverein als Träger des Tierheims: «Unsere Kosten steigen.» Nelz berichtet von einem Tierheim, an das sich ein Mann wandte, der sich schlicht nicht mehr zu helfen gewusst habe. «Sein Schäferhundmischling war von einem Auto angefahren worden. Der Hund hatte mehrere Knochenbrüche, die Kosten für den Tierarzt beliefen sich auf 1500 Euro. Der Mann hatte aber kaum noch die 20 Euro fürs Futter.» Schließlich habe das Tierheim eingewilligt, das Geld vorzustrecken und sich vom Hundehalter in Raten zurückzahlen zu lassen. «Das ist eigentlich nicht erlaubt. Ein Tierheim ist keine Bank, Tierschutzvereine sind gemeinnützig und dürfen keine Kredite geben.»

Eine schnelle Lösung hat auch der Tierheimleiter nicht parat. «Ideal wäre», sagt Mark Nelz, «wenn der Staat einspringen würde. Viele Menschen sind in solchen extremen Notlagen, ohne Beruf und ohne Geld, kurz davor, sich aufzugeben. Denen gibt ihr Tier Halt. Ihnen zu helfen wäre also im öffentlichen Interesse.» Doch Nelz weiß selbst, dass solch eine Lösung utopisch ist und es zu einem Engagement des Staats in diesem Fall kaum kommen dürfte. Die rund 40 Beschäftigten des Frankfurter Tierschutzvereins und ihre vierbeinigen Schützlinge bleiben auf Spenden und Erbschaften von tierlieben Menschen angewiesen. «Aber wer hat in der Wirtschaftskrise noch Geld übrig, um es an eine Tierschutzorganisation zu überweisen?», fragt Nelz.

Vor diesem Problem steht auch die Soziale Tiernothilfe Frankfurt. Maja Firle hat den Verein im Juni 2008 gegründet, um aus dessen Kasse Tierarztrechnungen für Leute zu bezahlen, die keine Geld mehr dafür haben. Firle betreibt seit fünf Jahren eine Tierarztpraxis in Frankfurt-Bockenheim und hat beobachtet: «Die Lage verschlechtert sich. Wer früher wenig Geld hatte, hat jetzt gar nichts mehr. Bei mir begleicht nur noch jeder fünfte die Rechnung sofort. Die anderen vertrösten mich oder zahlen in Raten.» Dabei gehe es oft um Beträge wie fünf oder zehn Euro für die Entwurmung eines Hundes. Zu Firles Klientel gehören viele Obdachlose, doch sie sagt, alle ihre Kollegen seien «jeden Tag mit dem gleichen Problem konfrontiert». Die Tierärztin findet: «Tiere sollen nicht die Not der Menschen aushalten müssen.» Daher geht sie Spenden sammeln, so oft sie kann. (ddp)

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