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Das seltene und scheue Tier ist im Mittelgebirge immer öfter anzutreffen

Fulda (ddp-hes). Rund 70 Jahre galt die Wildkatze in der Rhön als ausgestorben, das letzte Exemplar soll bei Hausen im bayerischen Teil des Mittelgebirges in den 40er Jahren erlegt worden sein. Nun scheinen sich die scheuen Waldbewohner aber wieder anzusiedeln. «Die Wildkatze ist jedenfalls da», konstatiert Wolfgang Fremuth, Referatsleiter Europa der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF). Er ist beteiligt am Projekt «Wildkatzen Rhön», das von der Allianz Umweltstiftung unterstützt wird. Es ist eingebettet in die bundesweite Aktion «Rettungsnetz Wildkatze» des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Ziel ist es, die natürliche Ausbreitung der Tiere zu fördern.

Nachgewiesen wurde die Präsenz der Wildkatze durch den sogenannten Lockstocknachweis. Dabei werden Holzstöcke mit Duftstoffen wie Baldriantinktur versehen. «Daran reiben sich dann die Wildkatzen und es bleiben immer ein paar Haare hängen», erklärt der Projektmanager Matthias Metzger vom Verein RhönNatur. Diese werden dann auf DNA untersucht, um festzustellen, welcher Population die Tiere angehören. Dabei ergeben sich Anzeichen für eine echte Überraschung: «Wir rätseln gerade, ob Wildkatzen hier schon immer beheimatet waren oder aus anderen Regionen wie etwa dem Spessart eingewandert sind.» Soll heißen: Unter Umständen war die Wildkatze in der Rhön doch nie ganz verschwunden. Vielleicht.

Die Unsicherheit ergibt sich durch die Ähnlichkeit der Wild- mit einer getigerten Hauskatze. «Selbst ich als Experte traue mir nicht zu, die vom bloßen Sehen zu unterscheiden», sagt Wolfgang Fremuth. Folglich bedürfe es eines genetischen Beweises. Obgleich der noch nicht umfassend ausgewertet ist, scheint eines für Fremuth klar: «Die Rhön spielt aufgrund ihrer geografischen Lage im Herzen Deutschlands eine zentrale Rolle in einem bundesweiten Verbund von Wildkatzenlebensräumen.» So diene sie wohl nicht nur für Wildkatzen, sondern auch für Luchse als Verbindungselement zwischen dem Spessart, Thüringer Wald und Vogelsberg. Hessische Vorkommen der Wildkatze gebe es zudem im West- und Hochtaunus, Nationalpark Kellerwald sowie im hessischen Rothaargebirge.

Aktuell liege die Zahl der «großräumig im Dreiländereck» verbreiteten Tiere wohl unter 100, schätzt Matthias Metzger. Dabei biete die Landschaft mit den natürlichen Waldbeständen, aber auch extensiv genutzten landwirtschaftlichen Flächen mit Hecken, ideale Lebensbedingungen. Problematisch seien Trennlinien wie Bahnstrecken und Autobahnen. «Wir wollen im Rahmen des Projektes auch den Bau von Grünbrücken als Querungshilfen fördern», unterstreicht Metzger. Und Fremuth ergänzt: «Das ist ein großes Manko, das wir in der Tat haben.» Obwohl das EU-Recht vorschreibe, dass der Lebensraum originärer einheimischer Tiere erhalten werden müsse, habe der Bundesverkehrswegeplan bis dato Querungshilfen für Wildkatzen, Luchse, Wölfe und Wildtiere «völlig außer Acht gelassen».

Um die Ausbreitung der Wildkatze in der Rhön zu unterstützen, soll ein länderübergreifender Beirat gebildet werden, an dem neben Vertretern von Fachbehörden aus Bayern, Hessen und Thüringen auch die Naturschutz- und Jagdverbände vertreten sein werden. Im ersten Schritt trafen sich deshalb bereits Experten zu einem Workshop in der Propstei Zella in Thüringen.

Für den stellvertretenden Vorsitzenden von RhönNatur, Eckhard Jedicke, dient das Projekt nicht nur den scheuen Katzen: «Biotopschutzmaßnahmen für die Wildkatze kommen dem Lebensraum Wald insgesamt und damit auch anderen Säugetieren, Vögeln, Insekten und nicht zuletzt uns Menschen zugute.»
(ddp/Foto: wildkatze.info, Thomas Stephan)

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