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Die wilden Papageien am Rhein lassen sich von kalten Temperaturen nicht beeindrucken

Wiesbaden (ddp-hes). Den See bedeckt eine Eisschicht. Die Spaziergänger, die dick eingepackt zwischen den kahlen Bäumen entlang spazieren, stoßen Atemwölkchen hervor. Die tiefstehende Sonne macht die Winterkulisse im Schlosspark des Wiesbadener Stadtteils Biebrich perfekt. Zumindest fast. Denn nicht ins winterliche Bild passt das laute Vogelgeschrei, das an die Exotenabteilung einer Tierhandlung oder das Tropenhaus eines Zoos erinnert. Es sind wilde Papageien, die hoch in den Bäumen sitzen oder laut kreischend umherfliegen und dem Park auch im tiefsten Winter einen Hauch von Exotik verleihen.

Was schon bei normalen Temperaturen bei Spaziergängern für Erstaunen sorgt, lässt viele Menschen im Winter besonders irritiert zurück. «Unsere Gärtner werden häufig von Spaziergängern auf die Papageien angesprochen», sagt Parkleiter Eike Schwarz und ergänzt: «Gerade im Winter sind Leute darunter, die sich Sorgen machen, dass die Tiere erfrieren könnten.» Diese Sorgen kann Detlev Franz jedoch schnell zerstreuen. «Die Tiere sind hart im Nehmen», sagt der Hobby-Ornithologe. «Die Kälte macht ihnen nichts aus.»

Franz kommt seit fast zwölf Jahren einmal in der Woche in den Schlosspark, um die Halsbandsittiche und Großen Alexandersittiche zu beobachten. Aufmerksam geht der 43-jährige Verwaltungsangestellte durch den Park. Immer wieder betrachtet er die grünen Vögel in den Baumkronen mit dem Fernglas. Am Boden findet er herabgefallene Reste von Misteln oder Kastanienknospen. Wichtige Hinweise für ihn, denn so erfährt er mehr über die Nahrungsgewohnheiten der Vögel.

Nach jedem Besuch der vergangenen Wochen stellte Franz fest, dass die Tiere den harten Winter bisher gut überstanden haben. «Die Körpertemperatur der Tiere bleibt konstant, solange genug Energie zugeführt wird, sie also genug zu fressen finden», sagt er. Und das ist in Wiesbaden gewährleistet, denn in den Bäumen des Schlossparks bietet sich den Vögeln ausreichend Nahrung: Knospen, Beeren, Früchte, Samen, Rinde oder Baumsäfte. «Das ist Nahrung, die selbst bei geschlossener Schneedecke für die Tiere zu erreichen ist.»

Ursprünglich in Afrika und Asien zu Hause, leben die Vögel seit den sechziger Jahren in freier Wildbahn in Deutschland. Die Kolonien entstanden aus entflogenen oder freigelassenen Käfigtieren. Parks mit altem Baumbestand und Kleingärten bieten den Tieren ideale Lebensbedingungen. In Wiesbaden haben sie mittlerweile das gesamte Stadtgebiet erobert. Auch nach Mainz auf der anderen Rheinseite fliegen immer mehr Tiere. 2008 wurden in Rüsselsheim erste Exemplare gesichtet. Insgesamt schätzt Franz die Kolonie im Rhein-Main-Gebiet auf 1300 Halsbandsittiche und einige Hundert Alexandersittiche.

Flächendeckend werden sich die Tiere im Land allerdings nicht ausbreiten, vermutet Franz. Denn auch wenn ein einzelner harter Winter den Tieren nichts ausmache, spiele das Klima für die Verbreitung der Vögel indirekt doch eine Rolle: «In Nordhessen werden wir wahrscheinlich nie eine Papageien-Population haben, dort ist die Vegetationsperiode einfach zu kurz», sagt Franz. In den klimatisch begünstigten Städten entlang des Rheins allerdings sorge die vergleichsweise lange Vegetationsperiode dafür, dass die Vögel immer genügend pflanzliche Nahrung finden können.

So gut wie die Papageien haben es in diesem Winter nicht alle Vögel. Vor allem Arten, die auf offene Gewässer angewiesen sind, um Fische zu fangen, haben unter den kalten Temperaturen der letzten Wochen gelitten. «Beim Eisvogel erwarten wir einen Rückgang der Bestände zwischen 60 und 80 Prozent», schätzt Stefan Stübing von der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz.

Kurz vor Sonnenuntergang kommt Unruhe in die Wiesbadener Papageienkolonie. Die Tiere sammeln sich, um einige Kilometer zu ihren Schlafbäumen zu fliegen. Dort werden sie dann eine weitere Nacht bei Minustemperaturen verbringen. In der Nähe der Bäume wartet bereits Franz, um die einfliegenden Tiere zu zählen. Auch ihn schreckt das stundenlange Ausharren in der Kälte nicht ab. Nur manchmal, da freut auch er sich, dass sich die Wiesbadener Papageien noch von einem anderen Platz aus beobachten lassen. «Auch am Aukammbad leben Papageien», erzählt er. «Die kann man dann vom Außenbecken aus beobachten, während man im 28 Grad warmen Thermalwasser liegt.» (ddp)

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