Startseite
Aktuelle Tiernachrichten
Tiernachrichten Archiv
Dezember 2008
Januar 2009
Februar 2009
März 2009
Hundebilder
Lustige Hundebilder
Hunde-Videos
Hunde-Erziehung
Hundegesetze
Wölfe in Deutschland
Impressum
Defekter Link
Partner


  Hilfsorganisation kümmert sich um verletzte Tiere - Verein ist auf Spenden angewiesen

Teltow (ddp-lbg). Auf den ersten Blick sieht die 100 Quadratmeter große Voliere auf einem Teltower Gartengrundstück leer aus. Dann huscht ein Tier mit buschigem, rot-braunen Schwanz durchs Blickfeld. Überall tauchen kleine Gestalten mit langen Krallen und Ohrpinseln auf. Der Verein Eichhörnchen-Hilfe Berlin/Brandenburg beherbergt derzeit 40 in Not geratene Tiere in seinem Gehege in Teltow. Die in Deutschland unter Schutz stehenden Eichhörnchen werden dort seit einigen Monaten aufgepäppelt. Im Frühjahr sollen sie ausgewildert werden.

«Mehreren Hundert Eichhörnchen konnten wir auf diese Weise zurück in die Natur helfen», sagt Vereinschefin Tanya Lenn. Doch für die Zukunft ist sie skeptisch. Dem Verein fehlten die finanziellen Mittel, um die Nothilfe fortzuführen, erklärt sie. Die Pflege der Findeltiere koste den Verein durchschnittlich 1000 Euro im Monat. Hinzu kämen je rund 800 Euro für sechs spezielle Auswilderungsvolieren, die der Verein unter anderem in Netzen und Nuthe-Urstromtal betreibt.

Als einer von etwa 200 Kooperationspartnern des weltweit tätigen «Aktion Tier - Menschen für Tiere e.V.» erhält die Eichhörnchen-Nothilfe eine finanzielle Unterstützung. «Ansonsten sind wir dringend auf Spenden angewiesen», sagt Lenn. Davon habe der Verein 2008 nur knapp 100 Euro erhalten. Allein ein Wocheneinkauf koste zwischen 30 und 50 Euro. Obst, Gemüse, Hasel- und Walnüsse sowie Kiefernsamen gehören zur Grundnahrung. Aber auch über gesammelte Zapfen oder Bucheckern freuen sich die Eichhörnchen, sagt Lenn, die die Tiere neben Job und Familie betreut.

Etwa 400 Eichhörnchen hat Tanya Lenn in den vergangenen neun Jahren aufgezogen. Vor zwei Jahren gründete sie mit anderen Tierfreunden den Verein. Einem Großteil der Tiere wird durch Baumfällungen in Privatgärten der Lebensraum genommen. Andere verlieren beispielsweise durch einen Sturm ihr Nest, das in der Fachsprache Kobel genannt wird.

Rund drei Viertel der vom Nothilfeverein betreuten verletzten Findeltiere überleben. Die Pfleger päppeln sie mit Spezial-Vitaminfutter und Rehydrierungsinfusionen auf. Etwa zwei Drittel der Tiere schaffen es auch zurück in die Natur. Das sei der Gegenbeweis für die Auffassung in Berliner Behörden, dass Eichhörnchen nicht ausgewildert werden können. Aufgrund dieser Fehlinformation fristeten Tausende Findeltiere ihr Dasein in Berliner Wohnungen.

In Brandenburg hingegen seien die Behörden aufgeschlossen und unterstützten den Verein zum Beispiel bei der Genehmigung der Stellplätze für feste Auswilderungsvolieren. Jörg Lippert vom Landesumweltamt lobt das ehrenamtliche Engagement vieler Menschen zur Rettung von Greifvögeln, Fledermäusen oder sonstigem Getier in der Mark. Viele menschliche Einflüsse führten dazu, dass eine hohe Zahl an Tieren verletzt werde oder erkranke. Es erfordere Geschick und Verantwortungsbewusstsein, die hilflosen Tiere so aufzupäppeln, dass sie mit der Auswilderung eine möglichst hohe Überlebenschance besitzen.

Eichhörnchen sind zwar laut Lippert im ganzen Land verbreitet, dennoch sei es wichtig, sich auch um diese Tiere zu kümmern und ihnen eine Chance zu geben. Sonst landeten sie «dunklen Kanälen des Tierhandels» oder fielen der «egoistischen Leidenschaft falsch verstandener Tierliebe» zum Opfer. In den vergangenen Jahren habe das Landesumweltamt zahlreiche Tiere aus «zweifelhaften Privathaltungen» beschlagnahmen lassen.

Tanya Lenn will mit ihrem Spezialwissen über die Waldtiere vor allem auch Aufklärung betreiben. «Es gibt viel Irrglauben über die Eichhörnchen», sagt sie. Es sollte viel mehr Verhaltensforschung auf diesem Gebiet betrieben werden. Sie selbst hat bereits mit Spezialisten in Großbritannien Kontakt aufgenommen, deren rote Eichhörnchen massiv von den eingewanderten grauen Eichhörnern bedroht sind. Das Problem könne es bald auch in Deutschland geben. (ddp)

[zurück]