Startseite
Aktuelle Tiernachrichten
Tiernachrichten Archiv
Dezember 2008
Januar 2009
Februar 2009
März 2009
Hundebilder
Lustige Hundebilder
Hunde-Videos
Hunde-Erziehung
Hundegesetze
Wölfe in Deutschland
Impressum
Defekter Link
Partner


  Naturschützer registrieren Schweinswalsterben in der Ostsee

   Kappeln (ddp-nrd). Bereits seit knapp 30 Jahren beobachtet Andreas Pfander die Schweinswale an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. Seit 1987 zählt der Humanmediziner aus Kappeln die zwischen Flensburg und Eckernförde an die Strände gespülten Kadaver. «Im vergangenen Jahr verendeten in diesem Teil der Ostseeküste 47 Schweinswale auf nicht-natürliche Art, so viele wie niemals zuvor», sagt der 70-Jährige. Im Vergleich zu 2007, als es 28 Tiere waren, hat sich die Zahl der Totfunde damit fast verdoppelt. «Noch vor ein paar Jahren wurden durchschnittlich weniger als zehn tote Tiere pro Saison entdeckt.»

«Es sterben mehr Tiere als geboren werden», warnt die Vorsitzende der Gesellschaft zum Schutz der Meeressäugetiere, Petra Deimer. Entlang der gesamten deutschen Ostseeküste von der Flensburger Förde bis nach Usedom registrierte die Gesellschaft 2007 insgesamt 175 Totfunde. «Für 2008 erwarten wir einen Anstieg, abschließende Zahlen liegen aber noch nicht vor», sagt Deimer. Deutlich erleichtert werde die Dokumentation durch das 2002 gestartete Programm «Wassersportler sichten Schweinswale».

Der einzigen Walart in der Ostsee machen Schadstoffeinträge ins Meer, die Schifffahrt und Unterwasserschall beispielsweise durch Arbeiten an Brückenpfeilern oder bei der Errichtung von Offshore-Windanlagen Probleme. Die Meeressäuger gelten als sehr geräuschempfindlich.

«Das größte Problem, das die Schweinswale haben, ist jedoch die Fischerei», sagt die Biologin Deimer. Das Kleinwal-Abkommen ASCOBANS hat den Beifang besonders durch Stell- und Treibnetze bereits 2002 als Problem Nummer eins aufgeführt. Die Tiere könnten sich aus den Nylonnetzen nicht mehr befreien, sagt Deimer. In den früher beim Fischfang häufiger eingesetzten Bundgarnnetzen seien die Tiere dagegen seltener ums Leben gekommen oder sie hätten daraus befreit werden können. Doch offenbar können längst nicht alle als Beifang verendeten Tiere in der Statistik berücksichtigt werden, wie der Zufallsfund eines toten Tieres zeigt. An dessen Schwanzflosse war ein roter Stein befestigt worden, damit das tote Tier nicht aufgefunden werden sollte.

Sorgen macht den Tierschützern aber vor allem, dass nur etwa jeder fünfte tote Schweinswal älter als vier Jahre und damit bereits geschlechtsreif war. «Die jungen Tiere kennen die Fischernetze noch nicht», sagt Deimer. Zum Aufkommen der Schweinswale in der Ostsee gibt es nur Schätzungen. In der größeren Population in der westlichen Ostsee leben knapp 6000 Tiere, im östlichen Teil des Meeres sind es nur noch weniger als 600 Tiere. «Die östliche Population ist vom Aussterben bedroht», warnt Deimer.

An der Küste Mecklenburg-Vorpommerns ist die Zahl der Totfunde im vergangenen Jahr allerdings zurückgegangen. Insgesamt 26 Walkadaver wurden gefunden, damit hat sich die Zahl der Totfunde im Vergleich zum Vorjahr (57 Totfunde) mehr als halbiert. Dennoch sehe er keinen Grund für eine Entwarnung, sagt der Stralsunder Walforscher Harald Benke. Möglicherweise stünden die Zahlen nur im Zusammenhang mit den vorherrschenden Wetterlagen. Das würde auch die gestiegenen Funde an der Küste von Schleswig-Holstein erklären. Im vergangenen Jahr habe es relativ wenige Nord-West-Stürme gegeben, bei denen erfahrungsgemäß sehr oft Kadaver von Schweinswalen am Fischland-Darß sowie an die Westküsten von Hiddensee und Rügen angeschwemmt würden. (ddp)

[zurück]