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Kathi gebärt erstes Baby nach mehrjähriger Zuchtpause - Starke Orientierung am Muttertier

Berlin (ddp-bln). Liebevoll gibt Mama Kathi dem Flusspferdbaby mit der gewaltigen Schnauze einen kleinen Schubs und schiebt es in Richtung des flachen, nur einem Meter hohen Beckens. Eng an die Mutter geschmiegt lässt sich das nur 75 Zentimeter große Kalb treiben. «Das ist der typische Beschützerinstinkt», erklärt der Kurator des Berliner Zoos, Ragnar Kühne. Mutter Kathi hätte Angst, dass das kleine Kalb in zu tiefes Wasser gerate. Am 29. November hat die 33-jährige Berliner Flusspferdkuh nach einer vierjährigen Zuchtpause das weibliche Kalb zur Welt gebracht.

40 bis 50 Kilogramm wiegt der kleine, kaum drei Wochen alte Nachwuchs jetzt. Etwa 45 Sekunden kann das Baby unter Wasser bleiben, dann schnappt es nach Luft. Das Mini-Flusspferd mit den Speckröllchen am Hals lässt die Mutter fast keine Sekunde aus den Augen. «Es ist typisch, dass sich die Kleine stark an Kathi orientiert», erläutert Kühne. Ein Jahr lang würde der Nachwuchs dicht bei der Mutter verbringen. Diese schütze mit ihrem mütterlichen Instinkt das kleine Tier vor ständig lauernden Gefahren - in der freien Wildbahn beispielsweise vor Krokodilen oder Tigern, betont Kühne. Die natürlicherweise ausschließlich in Afrika beheimateten Flusspferde wurden 2006 in die Rote Liste der bedrohten Tierarten der Erde aufgenommen.

Einen Namen besitzt das kleine Kalb noch nicht. Üblich sei es, dass Flusspferde von ihren Paten, die finanziell den Nachwuchs ein Jahr lang unterstützen, einen Namen erhalten. «Die Flusspferde sind sehr beliebt, und es finden sich immer Sponsoren, die unseren Tieren helfen wollen», unterstreicht Kühne. Der Flusspferd-Nachwuchs erhält in der Stadt aus Tradition typische Berliner Namen. Etwa 3500 Euro kostet die Patenschaft für ein Jahr. «50 bis 80 Kilogramm Futter vertilgen die Tiere am Tag, das ist teuer», lacht Kühne.

Mama Kathi hat nach Angaben des Kurators eine unproblematische Geburt hinter sich. In flusspferdtypischer Weise geschah diese abseits der übrigen Herde, in einem nur dem Muttertier zugänglichen flachen Wurfbecken, in dem die beiden Tiere durch riesige Unterwasserfenster von den Besuchern beobachtet werden können. Nur wenige Minuten dauerte die Geburt, «in einem Flutsch» hätte das Baby mit dem Kopf voran das Licht der Welt erblickt.

Die restlichen vier Flusspferde, einschließlich Vater Ede, mussten das Schaubecken verlassen, damit die Mutter mit ihrem Zögling erst einmal ungestört die Anlage bewohnen kann. Auch in freier Wildbahn würden sich Mutter und Nachwuchs kurz nach der Geburt abseits der Herde aufhalten, berichtet Kühne. Erst, wenn sich ihre Bindung gefestigt hätte, dulde das Muttertier andere Artgenossen in der Nähe ihres Babys. «Vielleicht können wir schon in der nächsten Woche den Vater wieder in das Becken lassen, damit er sich an seinen Nachwuchs gewöhnt», betont Kühne.

Kathi versorgt ihr Baby noch etwa sechs Monate mit Muttermilch. Danach kann der Nachwuchs wie seine Artgenossen im Sommer Gras oder im Winter Heu und Kraftfutter fressen. «Flusspferde können bis sie zehn Jahre alt sind immer noch wachsen», meint Kühne. Ein größeres Haus für die Tiere sei wegen des Neuankömmlings aber nicht notwendig. «Wir haben eine vorbildliche Landschaft für die Tiere, die in Europa einzigartig ist», unterstreicht der Kurator. Mit seiner Unterwasserwelt und einem weiteren großen Becken für die Tiere sei der Zoo optimal ausgestattet.

Die Haltung von Flusspferden hat in Berlin eine lange Tradition. Das 1943 geborene Flusspferde Knautschke war bei den Berlinern sogar zu einer Art Symbol geworden. Gemeinsam mit 90 weiteren Zoobewohnern hatte Knautschke den Zweiten Weltkrieg überlebt. Auch seine 1952 geborene Tochter Bulette brachte es zu einiger Popularität. Als Knautschke 1988 wegen einer Verletzung, die aus einem Rivalenkampf herrührte, eingeschläfert werden musste, waren viele Berliner sehr traurig. Insgesamt sorgte Knautschke für etwa 30 Flusspferdkälber. Wie sehr die Berliner ihn liebten, davon zeugt heute seine Bronzeplastik vor dem neuen Zuhause des Berliner Flusspferdbabys. (ddp) 

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